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Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit
ab 2005 an der Universität Hamburg herausgegeben von Claudia Maurer Zenck und Peter Petersen
unter Mitarbeit von Sophie Fetthauer
http://www.lexm.uni-hamburg.de/

Anita Buttlar

geb. am 10. Jan. 1908 in Altona/heute: Hamburg, Deutschland, gest. am 27. März 1998 in Den Haag, Niederlande, Unterhaltungsmusikerin, Pianistin, Sängerin.

Biographie

Anita Buttlar, geb. Wellmann, wurde am 10. Jan. 1908 in Altona bei Hamburg geboren. Über ihre Familie und ihre Ausbildung zur Pianistin liegen keine Informationen vor. Am 29. März 1933 heiratete sie den Dirigenten und Pianisten Egon Freiherr von Buttlar, mit dem sie in den folgenden Jahren als Klavierduo bzw. als Gesangs-Klavier-Duo auftrat. Das Ehepaar wohnte in Hamburg in der Büschstraße.

Da Anita Buttlar jüdischer Herkunft war, bekam sowohl sie selbst als auch ihr Mann, der nun als „jüdisch versippt“ galt, nach dem Machtantritt der Nazis Probleme mit der Reichsmusikkammer. Zwar erhielten sie für Auftritte in Berlin für den Zeitraum vom 1. Jan. bis zum 31. März 1937 „Sondergenehmigungen“, ein weiterer Antrag auf „Sondergenehmigung“ wurde jedoch am 8. Sept. 1937 von der Berliner Abteilung der Reichsmusikkammer abgelehnt.

1938 entschlossen sich die Buttlars, Deutschland zu verlassen. Vom 3. Apr. bis zum 2. Juni 1938 wohnten sie im ersten Wiener Bezirk unter der Adresse Judenplatz 5. Vermutlich lebten sie dort in einer Sammelwohnung für Juden. Anfang Juni 1938 meldeten sie sich nach Bukarest ab. Von Mailand kommend, reisten sie 1940 in die Niederlande ein. In dieser Zeit war Egon Buttlar nach eigenen Angaben eine Zeitlang Mitglied der Deutschen Wehrmacht gewesen. Er wurde aber wegen der jüdischen Herkunft seiner Frau vom Dienst suspendiert. Ab August 1940 wohnten sie zunächst in Noorwijk, ab September 1940 in der Korte Houtstraat in Den Haag und ab August 1943 in Hilversum. Für die Jahre 1940-1942 finden sich in verschiedenen niederländischen Zeitungen Anzeigen und Besprechungen von Auftritten des Duos Buttlar u. a. in der Riche Bar in Den Haag, im Windsor House in Rotterdam und im Hotel Hamdorff in Laren. Über die genauen Umstände, wie sie in den Niederlanden Verfolgung und Krieg überlebten, ist nichts bekannt.

1950 zogen die Buttlars in die Piet Heinstraat 119 in Den Haag. Für die Jahre 1952-1956 liegen wiederum Anzeigen und Zeitungsartikel vor, die darauf hinweisen, dass das Ehepaar weiterhin als Duo auftrat, u. a. in den Bars Chez nous und Alexandra in Den Haag. Im Sommer 1971 zogen sie in die Landréstraat 472 in Den Haag um. Egon Buttlar starb am 19. Juli 1987. Seine Ehefrau Anita Buttlar überlebte ihn um etliche Jahre und starb am 27. März 1998 in Den Haag.

Hauptquellen: BAB ButtlarA, SCvB ButtlarA

Sophie Fetthauer (2010, aktualisiert am 10. Aug. 2010)
http://www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_00001745